Den Anwurf beim Sprungaufschlag meistern: Guide zu Höhe und Treffpunkt
Experten-Analyse der Physik des Anwurfs beim Sprungaufschlag, Optimierung des Treffpunkts und ein praxiserprobter Drill zur Eliminierung von Unbeständigkeiten.
Von VolleyLab Coaching Staff

Die Physik eines erstklassigen Anwurfs beim Sprungaufschlag
Der Sprungaufschlag ist die aggressivste Waffe im Volleyball, doch seine Effektivität hängt vollständig von den ersten zwei Metern der Flugbahn des Balles ab. Während viele Athleten sich auf die Kraft des Armzugs oder die vertikale Sprunghöhe konzentrieren, diktiert der Anwurf das Timing, den Treffpunkt und letztlich die Flugbahn des Asses. Ein unkontrollierter Anwurf, verursacht durch Nervosität oder unsaubere Mechanik, führt zu falschem Timing beim Absprung und einem eingeschränkten Schlagfenster. Um Elite-Niveau zu erreichen, muss ein Aufschlagspieler den Anwurf nicht als Vorbereitung, sondern als fundamentale Phase des Angriffs betrachten.
Konstanz beim Anwurf erfordert ein tiefes Verständnis von wiederholbarem Drehmoment und Balance. Ein häufiger Fehler im Breitensport ist ein Anwurf, dessen Distanz zur Grundlinie variiert. Wenn der Ball bei einem Versuch 60 cm innerhalb des Feldes landet und beim nächsten 1,20 m, kann der Athlet keinen unbewussten Rhythmus entwickeln. Präzision beginnt mit der Ausgangsstellung: Der Schlagfuß steht leicht hinten, und das Gewicht wird nach vorne verlagert, um eine natürliche Vorwärtsbewegung während des Loslassens zu erzeugen.
Der Goldene Schnitt: Höhe und Vorwärtsgeschwindigkeit
Die optimale Höhe für einen Sprungaufschlag-Anwurf hängt von der Anlaufgeschwindigkeit des Athleten ab, aber für das Leistungstennis existiert ein allgemeiner Richtwert. Bei einem Standard-Vier-Schritt-Anlauf sollte der Ball seinen Scheitelpunkt zwischen 3,50 und 4,50 Metern über dem Boden erreichen. Dies bietet genügend Zeit, um den ersten Schritt genau dann einzuleiten, wenn der Ball die Hand verlässt. Ist der Anwurf zu hoch, erhöht die Schwerkraft die Fallgeschwindigkeit, wodurch das Zeitfenster für einen sauberen Treffpunkt extrem schmal wird. Umgekehrt erzwingt ein zu niedriger Anwurf einen überhasteten Anlauf, was dem Spieler seine volle vertikale Reichweite raubt.
Die Vorwärtsbewegung ist ebenso kritisch. Der Ball sollte nicht gerade nach oben geworfen werden, sondern ins Feld hinein. Ein hochklassiger Aufschlag landet (wenn er nicht geschlagen wird) normalerweise zwischen einem und anderthalb Metern vor der Grundlinie. Diese Vorwärtsbewegung ermöglicht es dem Spieler, sein horizontales Momentum im Treffpunkt auf den Ball zu übertragen. Indem sich der Spieler während des Anlaufs in das Feld hineinlehnt, nutzt er sein gesamtes Körpergewicht zur Geschwindigkeitserzeugung, anstatt sich nur auf Schulter und Trizeps zu verlassen.
Kennzahlen für die Bewertung des Anwurfs
- Scheitelpunkt: 3,50 bis 4,50 Meter über dem Hallenboden.
- Abwurfpunkt: Etwa auf Hüfthöhe, um unnötige Bewegungen zu minimieren.
- Vorwärtsdistanz: 1 bis 1,5 Meter innerhalb der Grundlinie.
- Rotation: Minimaler bis moderater Topspin zur Stabilisierung des Flugs.
- Handkontakt: Nutzung der Fingerkuppen für ein sauberes Lösen des Balls.
Optimierung des Treffpunkts
Der Treffpunkt beim Sprungaufschlag sollte am absoluten Scheitelpunkt des Sprungs liegen, mit voll gestrecktem Schlagarm. In Bezug auf die Uhrzeit-Position relativ zum Kopf sollte der Ball bei Rechtshändern bei etwa ein Uhr getroffen werden. Diese Ausrichtung stellt sicher, dass die Kraft durch das Zentrum des Balls geleitet wird, während das Handgelenk über den Ball klappen kann. Wenn der Ball hinter den Kopf des Spielers driftet, ist die einzige Möglichkeit, ihn über das Netz zu bringen, ein Schieben oder Stoßen, was Power wegnimmt und eine hohe, leicht zu passierende Flugbahn erzeugt.
Athleten müssen darauf abzielen, den Ball zu schlagen, wenn er gerade seinen Sinkflug begonnen hat. Einen Ball zu schlagen, der noch steigt, ist exponentiell schwieriger und führt oft zu Fehlern im Netz. Indem man wartet, bis der Ball leicht in das Schlagfenster fällt, kann der Aufschläger die Tiefe des Feldes besser einschätzen und den Handflächenwinkel anpassen, um gezielte Zonen auf der gegnerischen Seite anzuspielen.
Der 'Pressure Point' Drill: Den wandernden Anwurf fixieren
Unter dem Stress eines engen Satzes versagen oft die feinmotorischen Fähigkeiten, die für einen perfekten Anwurf erforderlich sind. Der 'Pressure Point' Drill wurde entwickelt, um ein widerstandsfähiges Bewegungsprogramm aufzubauen, das äußeren Belastungen standhält. Dieser Drill betont Wiederholbarkeit und Konsequenzen und simuliert die psychologische Last eines Spiels. Im Gegensatz zum Standardtraining erfordert dieser Drill externe Markierungen und ein spezifisches Punktesystem.
- Setup: Platziere eine flache Gummimarkierung (oder ein Handtuch) genau 1,20 m innerhalb der Grundlinie in Zone 6.
- Phase 1: 20 Anwürfe ohne Sprung durchführen. Der Ball muss auf der Markierung landen. Bei einem Fehler wird der Zähler auf Null zurückgesetzt.
- Phase 2: 10 vollständige Anläufe zum Sprungaufschlag, aber den Ball am höchstmöglichen Punkt fangen. Ziel ist es, den Ball mit voll gestrecktem Arm in der Luft zu fangen.
- Phase 3: Die Druckrunde. Der Athlet muss 5 Bälle hintereinander in eine vorgegebene Zone (z. B. Zone 1) servieren. Für jeden Anwurf, der als 'unschlagbar' oder 'schlecht' eingestuft wird, muss der Athlet einen Sprint zum Netz und zurück absolvieren, bevor er weitermacht.
- Verifizierung: Ein Teamkollege oder Trainer steht auf einem Kasten am Netz, um die Höhe jedes Anwurfs im Verhältnis zu einem festen Punkt an der Antenne zu kontrollieren.
Rhythmus in den Anlauf integrieren
Rhythmus ist der Kleber, der den Anwurf mit dem Abschluss verbindet. Die meisten Elite-Server nutzen einen Vier-Schritt-Anlauf: klein, moderat, groß, schnell. Der Anwurf erfolgt gleichzeitig mit dem ersten Schritt (dem Richtungsschritt). Diese Synchronisation stellt sicher, dass die Bewegung des Athleten und der Flug des Balls einem gemeinsamen internen Takt folgen. Wenn der Anwurf vor dem ersten Schritt erfolgt, muss der Spieler oft pausieren und verliert Momentum. Erfolgt er zu spät, läuft der Spieler unter den Ball.
Um dies zu verfeinern, sollten Spieler die Isolation von 'Anwurf und Schritt' üben. An der Grundlinie stehen und nur den ersten Schritt und den Anwurf zusammen ausführen, dann den Ball fangen. Dies zu Beginn jedes Trainings 5 Minuten lang wiederholen. Ziel ist es, das Heben des Arms und die Bewegung des Führungsfußes zu einer reflexartigen Einheit zu machen. Sobald dies beherrscht wird, richten sich die weiteren Schritte des Anlaufs ganz natürlich nach dem Fall des Balls aus.
Seitliches Abdriften korrigieren
Seitliches Driften – wenn sich der Ball im Flug nach links oder rechts bewegt – ist die Hauptursache für Aus-Bälle und Schulterprobleme. Dies wird meist dadurch verursacht, dass die Anwurfhand vor dem Körper 'wischt', anstatt in einer geraden vertikalen Ebene nach oben zu führen. Um dies zu korrigieren, sollten sich die Spieler darauf konzentrieren, dass ihre nicht-dominante Hand so abschließt, dass die Handfläche zum Ziel zeigt. Dreht sich die Handfläche beim Loslassen nach innen oder außen, erzeugt dies unerwünschten Seitschnitt und seitliche Kräfte.
Das Training gegen eine Wand bietet sofortiges Feedback. Wenn man einen Meter vor einer Hallenwand steht und nach oben wirft, führt jedes seitliche Treiben dazu, dass der Ball die Wand berührt oder sich deutlich von ihr entfernt. Der Ball sollte parallel zur Wand fliegen, ohne abzuweichen. Das Meistern dieses geradlinigen Lifts unterscheidet Top-Aufschläger von Spielern, die in entscheidenden Spielphasen mit ihrer Konstanz kämpfen.
Passende VolleyLab Ressourcen
Vertiefe dein Wissen mit diesen ausgewählten Artikeln und Programmen aus der VolleyLab Bibliothek:
Mach diesen Artikel zu einem Trainingsplan
VolleyLab erstellt ein wöchentliches Programm nach deiner Position, deinem Niveau und deinen Zielen — ohne Rätselraten.
Kostenlos testen